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Tiefenökologie

Die Tiefenökologie ist eine philosophische Bewegung, die den Menschen als Teil der Ökologie/Erde und nicht als aussenstehendes Objekt sieht.
Begründet wurde die Bewegung durch den norwegischen Philosophen Arne Naess.

‚In der Tiefenökologie jedoch fragen wir, ob die Gesellschaft grundlegende Bedürfnisse des Menschen wie Liebe, Sicherheit und Zugang zur Natur erfüllt. Wir fragen, welche Gesellschaft, welche Erziehung für das Leben auf diesem Planeten als ganzes gut ist, und dann fragen wir weiter, was wir tun müssen, um die notwendigen Veränderungen zu bewirken.’ (Arne Naess)


Sieben Punkte

Im Folgenden sind sieben grundlegende Punkte der Tiefenökologie aufgelistet. Sie sind aus vielen Quellen abgeleitet worden und allgemein genug, um auf verschiedene Art und Weise interpretiert zu werden. Sie sollen als eine Auflistung zentraler Werte dienen; als eine Plattform, die Diskussionen und Aktionen anleiten kann.

•  Alles Leben hat einen Wert, der ihm innewohnt.

•  Die Natur, in all ihrer Komplexität und Vielfalt, ergibt sich durch Symbiose. Vielfalt bedeutet die vielen verschiedenen Formen von Individuen, Arten und Ökosystemen, die die Ganzheit der Natur beinhaltet. In der Natur gibt es jedoch nicht viele, voneinander separierte Einheiten, sondern die Organismen sind durch die Fäden der Symbiose miteinander verbunden. Ihr Überleben hängt von gegenseitigem Interagieren ab. Die Symbiose formt zusammen mit der Vielfalt die Komplexität der Natur – eine unermessliche Welt von Beziehungen, Verbindungen und Möglichkeiten. Dieses Netz der Komplexität hat in sich einen Wert. Unsere Spezies ist lediglich ein Faden in diesem Netz.

•  Der Mensch ist ein Teil der Natur, aber unsere potentielle Macht bedeutet, dass unsere Verantwortung gegenüber der Natur grosser ist, als die anderer Spezies. Individuen aller Spezies haben eine natürliche Tendenz ihre Umwelt zu erforschen und  und gleichzeitig eine ökologischen Nische zu erschaffen  und sie zu füllen. Mit der Definition unserer ökologischen Nische haben wir die Natur mehr aus dem Gleichgewicht gebracht, als irgendeine andere Spezies. Diese auferlegte Veränderung, die auf grosser Ebene durchgeführt wird, entfernt uns von der Erde selbst. Sie unterstützt weder unser Überleben, noch das Wohlergehen des Planeten.

•  Wir haben uns von der Erde entfremdet, indem wir in die Komplexität der Natur eingegriffen und sie gestört haben. Aber unsere Spezies hat mehr als die Fähigkeit zu zerstören: sie hat auch die Fähigkeit zu verstehen.

•  Wir sollten die grundlegende Struktur unserer Gesellschaft verändern sowie die Grundsätze und Strategien, die sie aufrechterhalten. Die Idee von Wachstum sollte neu definiert werden, so dass es sich auf die Steigerung von Wissen über und das Erleben/Erfahren von Natur bezieht. Verständnis/Begreifen sollte die Basis unserer Aktionen darstellen. Daher müssen wir unsere Grundsätze bezüglich folgender Gebiete neu überdenken:
Ökonomie   Ökonomische Bedürfnisse sind faktische Bedürfnisse für unser Überleben. Aber nur Individuen können solche Bedürfnisse haben, nicht Organisationen oder Konzerne. Die momentane ökonomische Ideologie hat die Tendenz, materielle Güter und den Fluss von Gütern und Dienstleistungen wertzuschätzen und Industrien versuchen Bedürfnisse nach Produkten zu erschaffen oder zu steigern. Stattdessen sollten wir die Bedürfnisse der Menschen herausfinden und identifizieren, ebenso wie die Bedürfnisse anderer Spezies, und wir sollten Wegen entwickeln, diese zu erfüllen.
Gesellschaft und Politik   Unsere Welt wird weitesgehend durch gewaltige Organisationen kontrolliert und es ist unrealistisch, anzunehmen, dass wir ohne diese funktionieren könnten. Um Entwicklung zu fördern, müssen wir lokale Strukturen auf teilnehmender Basis unterstützen, die auf den Prinzipien der Eigenständigkeit basieren. Lokale Autonomie beinhaltet nicht Isolation und Dezentralisierung bedeutet nicht, dass Kooperation und Zusammentreffen vernachlässigt werden. Die Bewegung hin zu kleineren, egalitäreren und weniger hierarchisch aufgebauten Organisationsformen kann nicht entgegen dem dominierenden System vollzogen werden: sie muss aus seinen Tiefen entstehen.
Kulturen   Unterschiedliche Kulturen haben unterschiedliche Bedürfnisse. – Kulturen müssen als dynamische Muster betrachtet werden, als Flusse der Veränderung, die auf fortdauernden Werten basieren, die wiederum durch die Geschichte identifziert wurden. Für das Überleben kultureller Vielfalt braucht es, dass die grundlegenden Ziele einer jeden Kultur fortwähren können. Keine Kultur sollte einer andern etwas aufzwingen.

•  Wir sollten eher nach persönlicher Lebensqualität, als nach höheren Lebensstandards streben, eher nach Selbstverwirklichung, als nach finanziellem Gewinn. Es ist einfach, Mengen in unserem Leben zu messen, Qualitäten zu messen, ist schwieriger. Statistiken allein können niemals die Grundlage für Entscheidungen sein – zugrunde liegende Werte müssen berücksichtigt werden. Es ist essentiell wichtig, zunächst Prinzipien der Lebensqualität zu etablieren, bevor Kritiken und Wege der Veränderung entworfen werden.
Ein ökologisches Bewusstsein verbindet das Individuum mit der grösseren Welt. Es erlaubt die vollständige Realisierung der Möglichkeiten, die jeder Person innerhalb der Gesellschaft und der Natur offenstehen. Niemandes Selbstverwirklichung vollzieht sich in Isolation, jedoch liegen Mitgefühl und Nächstenliebe/Uneigennützigkeit einem Leben zugrunde, das eine wirkliche, tiefe Qualität hat.

•  Wir müssen uns mehr mit der Natur identifizieren. Nur dann werden wir wieder unsere Rolle/unseren Part in ihr erkennen. Die Wissenschaft kann uns dabei helfen, indem uns die Suche nach grundlegenden Prinzipien näher an natürliche Werte bringt.
Je mehr wir über die Natur lernen, desto weniger können wir es als unausweichlich akzeptieren, was derzeit mit unserer gefährlich nicht-perfekten Welt passiert. Wir können sämtliche Fähigkeiten, die wir besitzen auf eine Veränderung ausrichten, sowohl in unmittelbaren Aktionen, als auch in dem Erreichen von Zielen in fernerer Zukunft.
Vier grob umrissene Arten und Weisen, sichselbst an Veränderung zu beteiligen können bezeichnet werden:

I Das Leben im Einklang mit ökologischen Idealen der Eigenständigkeit, als Individuum oder in einer kleinen Gruppe. Um das im zu tun, braucht es momentan eine leichte Trennung vom herrschenden System.
II Kompromisse zwischen dem gegenwärtigen Zustand und dem Ideal anregen: eine Mischung aus zentralisierten und lokalen Technologien und Institutionen, was einen realistischen Weg für eine Überleitung/einen Wechsel bereitet.
III Versuchen, das System auf direktem Wege zu verändern. Das heisst, mit Menschen zu sprechen, ua mit ‚Experten’ und Entscheidungsträgern.
IV Künstlerische und philosophische Reflexion über den Menschen und seine Nähe zur Natur um des Prozesses selbst Willen.

aus ‘The Green Alternative' von Peter Bunyard und Fern Morgan-Grenville, herausgegeben von Methuen London Ltd, 1987 und von Mandarin Paperbacks, 1990

Tiefenökologie / wikipedia

Weitere Vertreter der Tiefenökologie sind ua Stephan Harding, Dolores Lachapelle und Joanna Macy.

 

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