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Startseite Inspiration/ Resourcen Texte & Auszüge Konflikte zwischen Ökologie und Ökonomie

Konflikte zwischen Ökologie und Ökonomie

Das erste Prinzip des Ökodesigns lautet: „Abfall ist gleich Nahrung“. Heute beruht der Hauptkonflikt zwischen Ökonomie und Ökologie auf der Tatsache, daß die Ökosysteme der Natur zyklisch sind, unsere Industriesysteme hingegen linear. In der Natur durchläuft die Materie ständig Zyklen, und damit erzeugen Ökosysteme insgesamt keinen Abfall. Menschliche Unternehmen hingegen verwenden die natürlichen Resourcen, wandeln sie in Produkte plus Abfall um und verkaufen die Produkte an die Verbraucher, die weiteren Abfall wegwerfen, wenn sie die Produkte benutzt haben.
Das Prinzip „Abfall ist gleich Nahrung“ bedeutet, daß alle von der Industrie hergestellten Produkte und Materialien ebenso wie die bei den Herstellungsprozessen erzeugten Abfälle schliesslich Nahrung für etwas Neues liefern müssen. Eine nachhaltige Wirtschaftsorganisation wäre in eine „Ökologie von Organisationen“ eingebettet, in der der Abfall irgendeiner Organisation eine Resource für eine andere Organisation wäre. In einem derartigen nachhaltigen Industriesystem würde der Gesamtausfluss jeder Organisation – ihre Produkte und Abfälle – als Resourcen wahrgenommen und behandelt werden, die das System zyklisch durchlaufen. ...

Zu Beginn dieses neuen Jahrhunderts gibt es zwei Entwicklungen, die sich entschieden auf das Wohlergehen und die Lebensweise der Menschheit auswirken werden. Beide Entwicklungen haben etwas mit Netzwerken zu tun und hängen mit radikal neuen Technologien zusammen. Das ist zum einen das Aufkommen des globalen Kapitalismus, zum anderen die Erschaffung nachhaltiger Gemeinschaften, die auf ökologischem Bewusstsein und der praktischen Umsetzung des Ökodesigns basieren. Während sich der globale Kapitalismus mit elektronischen Netzwerken von Finanz- und Informationsflüssen befasst,ist das Ökodesign an ökologischen Netzwerken von Energie- und Materialflüssen interessiert. Das Ziel der globalen Wirtschaft ist die Maximierung von Reichtum und Macht ihrer Eliten – das Ziel des Ökodesigns ist die Optimierung der Nachhaltigkeit des Lebensnetzes.

Diese beiden Szenarien – die jeweils mit komplexen Netzwerken und speziellen fortschrittlichen Technologien zusammenhängen – befinden sich derzeit auf einem Kollisionskurs. Wie wir gesehen haben, ist die gegenwärtige Form des globalen Kapitalismus ökologisch und sozial nicht nachhaltig. Der sogenannte “globale Markt” ist eigentlich ein Netzwerk von Maschinen, die nach dem Grundprinzip programmiert sind, daß das Geldverdienen den Vorrang vor Menschenrechten, Demokratie, Umweltschutz oder irgendeinem anderen Wert haben sollte.
Doch menschliche Werte können sich ändern – sie sind keine Naturgesetze. In die gleichen elektronischen Netzwerke der Finanz- und Informationsflüsse könnten andere Werte eingebaut sein. Das entscheidende Problem ist nicht die Technik, sondern die Politik. Die grosse Herausforderung des 21. Jahrhunderts wird darin bestehen, das der globalen Wirtschaft zugrunde liegende Wertesystem zu verändern, damit es mit dem Verlangen nach Menschenwürde und ökologischer Nachhaltigkeit vereinbar ist.


aus ‘Verborgene Zusammenhänge’ von Frijof Capra, Scherzverlag, 2002

 

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