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„Der Lakota Indianer war ein echter Naturliebhaber; er liebte sie, die Erde und alles, was auf ihr lebt. Und diese Zuneigung steigerte sich im Alter. Alte Leute verehrten den Boden, und in dem Gefühl, einer mütterlichen Kraft nahe zu sein, saßen oder lagen sie auf der Erde, sooft sich ihnen die Möglichkeit dazu bot. Es tat der Haut gut, die Erde zu berühren; und die alten Leute gingen gern mit bloßen Füßen über den heiligen Erdboden. Sie errichteten ihre Zelte auf der Erde und bauten ihre Altäre aus Lehm. Die Vögel, die durch die Luft flogen, ließen sich auf der Erde nieder; sie war der letzte Ruheplatz aller Lebewesen; der Menschen, Tiere und Pflanzen. Die Erde beruhigte und stärkte, reinigte und heilte. Aus diesem Grund sitzt auch der alte Indianer noch immer auf der Erde, anstatt sich irgendwo höher zu betten, getrennt von den Leben spendenden Kräften. Auf der Erde zu sitzen oder zu liegen bedeutet für ihn, schärfer denken zu können und tiefer zu fühlen; dort kann er die Geheimnisse des Lebens klarer deuten und empfindet nahe Verwandschaft mit den Lebewesen um sich her... Verwandschaft mit allen Lebewesen der Erde, des Himmels und des Wassers zu fühlen, war ein aufrichtiger und wichtiger Grundsatz im Leben der Lakotas. Sie achteten Tiere und Vögel wie Brüder und Schwestern und begegneten ihnen ohne jede Furcht. Manche Lakotas fühlten sich ihren gefiederten und pelztragenden Nachbarn so nahe, dass sie die Sprache der wilden Geschöpfe verstehen konnten. Der alte Lakota war weise. Er wusste, dass fern von der Natur das Herz des Menschen verhärtet; und er wusste: wer Pflanzen und Tiere nicht achtet, wird auch bald seine Achtung vor den Menschen verlieren. Deshalb sah er darauf, dass die jungen Leute sich dem besänftigenden Einfluß der lebendigen Natur nicht entzogen.“
Häuptling Luther Standing Bear
Auszug aus ‚Touch the Earth, A Self-Portrait of Indian Existence’, zusammengestellt von T.C. McLuhan, promontory press, ny, 1971 Titel der deutschen Übersetzung ‚Wie der Hauch eines Büffels im Winter’, Hoffmann und Campe, 1981
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